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Call

«Wir Publizieren» – ein gemeinsames Projekt des Fachbereich Gestaltung und Kunst der Hochschule der Künste Bern und des Department Kunst und Design der Hochschule für Künste Bremen – beschäftigt sich mit unabhängigen kollektiven Praktiken des Herausgebens, des Vervielfältigens und des Verteilens. Das Projekt umfasst eine Sammlung von unabhängig Publiziertem seit den sechziger Jahren mit Schwerpunkt Schweiz, Lehrveranstaltungen zur Geschichte des radikalen Publizierens, zur Problematik des Ausstellens von Publikationen sowie eine Veranstaltungsreihe und Ausstellung zum Thema.

Mit diesem Call soll die Sammlung für diejenigen geöffnet werden, die mit persönlichen, politischen, sozialen oder künstlerischen Publikationen einen Beitrag zur Geschichte unabhängigen Publizierens in der Schweiz leisten möchten. 

Was suchen wir?

Unabhängige serielle Publikationsprojekte seit den 1960er-Jahren mit Schwerpunkt Schweiz (alle Drucktechniken, Webseiten, Mailinglisten).

Was wird damit passieren?

Die Publikationen werden in möglichst grosser Auswahl digital reproduziert, öffentlich zugänglich und findbar gemacht.

Die physischen Publikationen können in die Mediothek durchgehend aufgenommen oder nach Beendigung des Projekts zurückgeschickt werden.

Der Fachbereich Konservierung und Restaurierung der HKB kann den Erhalt fragiler und wertvoller Publikationen sichern.

Eine Auswahl wird im Dezember 2019 in einer Ausstellung in der Kunsthalle Bern gezeigt.

Wie übermitteln?

Die Publikationen können in der Hochschule der Künste vorbeigebracht, uns per Mail oder auf dem Postweg übermittelt werden (anfallende hohe Versandkosten können nach Vorabsprache übernommen werden).

Deadline

15. Juni 2019

Kontakt

Hochschule der Künste Bern
Atelier
Lara Kothe
Fellerstrasse 11
CH-3027 Bern

info@wir-publizieren.ch

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Ausstellung

Ausgehend von unserer Sammlung an unabhängig Publiziertem möchten wir eine Ausstellung entwickeln. Uns beschäftigen dabei die Fragen, woran sich das gesteigerte Interesse an Gedrucktem in kleinen Auflagen oder an obskuren Netzwerken festmachen lässt und wie sich seit den 1960er Jahren Themen, Herangehensweisen, Ästhetik und Haltung beim unabhängigen Publizieren verändert haben (und warum).

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Wir knüpfen an die Ausstellung «Unter dem Radar. Underground- und Selbstpublikationen 1965–1975» an, die 2015/16 in der Weserburg in Bremen gezeigt wurde und zu der 2017 eine umfangreiche Publikation im Verlag Spector Books erschienen ist. Die in der Publikation «Unter dem Radar» gezeigte Auswahl ist international, hat aber einen Schwerpunkt auf deutschen Publikationen. Aus der Schweiz sind mehrere Publikationen vertreten «Hotcha!» (Zürich, 1968–2008), «Starkherzpapiere» (Zürich, 1979) und «Whämmli!» (Basel ca. 1971). In der Ausstellung wurden zusätzlich «Experience – Zeitschrift für Musik und anderen Lärm» (Basel 1973–74) und «hapt Schwiiz» gezeigt.

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Neben dem Projekt «Unter dem Radar» sind wir inspiriert von der Ausstellung «You’ve Got 1243 Unread Messages. The last generation before the internet?» die 2017/18 im Latvian Center for Contemporary Art gezeigt wurde. Diese beschäftigte sich mit Medien vor dem Internet, ihrer Materialität, ihrem Potential und ihren Grenzen. Die Ausstellung zeigte wie in Medien künstlerische, politische und persönliche Strategien mit ökonomischen und technischen (Macht-)Verhältnissen zusammentreffen. Sie machte verschiedene Momente fassbar, in denen auf dieser Grundlage jeweils spezifische Öffentlichkeiten geschaffen wurden. Öffentlichkeiten, die stets auch durch eine Auseinandersetzung um Handlungsmacht bestimmt sind und durch Fragen der In- und Exklusion.

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Veranstaltungen

«Für das Wissen, das mit dem Büchermachen und Verlegen verbunden ist, fehlt ein Ort, an dem es im Zusammenhang vermittelt wird. An Kunstakademien lehrt man die Gestaltung von Büchern; an Fachhochschulen für Buchhandel den Verkauf; in der Germanistik erfährt man, wie Texte zu editieren sind. Wo aber wird das Verlegen unterrichtet?»

Spector Books, Applied Publishing Studies, Sitterwerk, 10.5.2014

Wir Publizieren
Seminar in Geschichte der visuellen Kommunikation
Robert Lzicar

Wir setzen uns mit Inhalt, Form, Produktion und Vertrieb historischer Publikationen aus der Sammlung von «Wir Publizieren» auseinander. Dazu wählen Studierende eine der Publikationen aus, recherchieren historische Daten, Fakten und Zusammenhänge, entwickeln aus ihrem Interesse eine Fragestellung, beantworten diese in Form einer Geschichte und präsentieren sie als Beitrag zur Ausstellung in der Kunsthalle Bern Ende 2019 in Wort und Bild. Bereichert wird dieser Prozess durch Inputs und Diskussionen mit Gästen aus der Projektgruppe, Expert_innen und Zeitzeug_innen. Der Workshop soll ausserdem dazu beitragen heutige Formen von Selbstpublikationen kritisch zu überdenken und in einen grösseren historischen Zusammenhang einzuordnen, und so gestalterischer Nostalgie und unreflektierter Aneignung stilistischer Elemente entgegenwirken. 

HKB
Seminar im BA Visuelle Kommunikation
Frühlingssemester 2019

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Wir Publizieren
Archivbesuche, Gastvorträge, Diskussionen
Lucie Kolb

Im Fokus steht das gemeinsame, selbstorganisierte Publizieren von Magazinen. Ob in gedruckter Form oder digital, das Publizieren von Periodika ist immer eine kollektive Arbeit, denn es vereint unterschiedliche Kompetenzen wie Schreiben, Gestalten, Vertreiben und Herausgeben. Beim Publizieren wird nicht nur etwas öffentlich, es bilden sich auch Gruppen, es werden Bande geknüpft, Freunde und Feinde geschaffen. Das Magazin ist also nicht nur Ort für die Reproduktion von Bildern und Texten, sondern ein Ort der Produktion von Sozialem. In dieser Perspektive führt der Workshop in die Geschichte des Selbstpublizierens ein. Mit Schwerpunkt Bern schauen wir uns verschiedene Projekte an, die sich entschieden haben, ihre Inhalte selber in Umlauf zu bringen. Dafür machen wir Exkursionen und besuchen etwa das Archiv der Kunsthalle Bern und die Schweizerische Nationalbibliothek in denen sich Dokumente des Nonkonformismus, der Fluxus- und der Anti-Psychiatrie-Bewegung finden. Wir sichten gemeinsam Beispiele, lesen und diskutieren – sprechen aber auch mit Personen, die heute selber publizieren –, und fragen nach den Beweggründen und Visionen, die mit dieser Praxis verknüpft sind.

HKB
Y-Toolbox
15.-18.04.2019

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Sammlung

Die nun an der Hochschule der Künste Bern entstehende Sammlung umfasst die Bereiche der Kunst, Kultur, Politik und der sozialen Bewegungen, ist aber nicht darauf beschränkt. Im Fokus stehen Projekte, die im Eigenauftrag entstehen, in denen soziale Bande geschaffen werden, Verbindungen, Räume hervorgebracht werden, die das Kollektive begünstigen.

Die Magazine werden in der Mediothek gelagert, digital reproduziert und konserviert. Die Aufgabe einer Sammlung ist aber nicht passiv, sondern dynamisch. Die Sammlung schafft Kontext. Zu sammeln heisst also nicht nur Objekte zu besorgen, sondern bestehende Verknüpfungen zu erhalten und neue herzustellen, etwa zwischen Undergroundpublikationen, Magazinen von Künstler_innen, politischen Magazinen und post-digitalen Projekten.

Eine vorläufige Liste unserer Sammlung findet sich hier.

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Personen

Franziska Bauer

ist Grafikdesignerin, Künstlerin, Selbstverlegerin und gender-queer Aktivistin. Sie ist Teil des multimedialen Kunstkollektivs ELAF, das im November 2018 in der Debatterie eine vierteilige Ausstellung von thealit/Bremen zum Thema Absage veranstaltete. ELAF ist Teil des Dynamic Archive Project, das im Sommer 2019 startet. Franziska Bauer ist auch Mitherausgeberin, Autorin und Grafikdesignerin des jährlich erscheinenden, selbstveröffentlichten, queer-feministischen maga_zine Purple Scare.

Lucie Kolb

ist Kunstwissenschaftlerin mit Promotion zu künstlerischen publizistischen Strategien seit den 1960er-Jahren. Sie arbeitet am Institut für Experimentelles Design und Medienkulturen Basel im vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierten Forschungsprojekt «Institutions as a Way of Life» zum Erbe von Institutionskritik. Daneben publiziert sie regelmässig zu Self-Publishing, Ausbildung und Kunstkritik, zuletzt erschien die Monographie «Studium, nicht Kritik» (transversal 2017). Sie ist Mitherausgeberin der Zeitschrift Brand-New-Life und Mitglied der Kunstkommission der Kultur Stadt Bern. 

Lara Kothe

studierte Grafikdesign mit dem Schwerpunkt Editorial Design und Typografie in Hamburg. Von ihr erschien 2016 das ausgezeichnete und weltweit mehrfach ausgestellte Buch «das Lethe-Kompendium» im Selbstverlag. In diesem fungierte sie sowohl als Herausgeberin als auch als Autorin, Künstlerin, Kuratorin und Grafikerin und widmete sich des Publizierens als künstlerische Praxis. Nach Aufenthalten in Amsterdam und Berlin arbeitet sie mittlerweile im Atelier der Hochschule der Künste Bern in der Schweiz. Seit 2017 studiert sie zudem die Vertiefung Design Research an der Hochschule der Künste Bern im Master Design, ist Associate Researcher im Forschungsprojekt «Swiss Graphic Design and Typography Revisited» und Researcher im Forschungsfeld Design History an der Hochschule der Künste Bern. 
www.larakothe.com

Robert Lzicar

ist Designer, Professor und Forscher. An der HKB unterrichtet er Designgeschichte, leitet den MA Design und koordiniert das Forschungsfeld Design History. Er organisierte das Symposium «Mapping Graphic Design History in Switzerland» (2014), gab eine gleichnamige Publikation mit Davide Fornari heraus (Triest, 2016) und koordiniert das vom Programm Sinergia des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierte Forschungsprojekt «Swiss Graphic Design and Typography Revisited» (seit Oktober 2016).

Tine Melzer

hat in Amsterdam Bildende Kunst und Philosophie studiert, an der Rijksakademie van beeldende kunsten ein Atelierstipendium erhalten und in England promoviert. Sie verbindet Sprachphilosophie mit visuellen Mitteln und macht Bücher im Selbstverlag. 2004–2009 Dozentin an der Gerrit Rietveld Academie Amsterdam, regelmässig Ausstellungen und Publikationen im In- und Ausland. Seit 2014 Dozentin an der Hochschule der Künste Bern (Y Institut, Gestaltung und Kunst: Fine Arts). www.tinemelzer.eu

Daniela Mirabella

arbeitet als selbstständige Grafikerin im Atelier Mirabella-Morganti in Zürich, hauptsächlich für Kunden aus dem Kultur- und dem Bildungsbereich. Sie unterrichtet im Departement Design an der Zürcher Hochschule der Künste und ist dort im Museum für Gestaltung in der Grafiksammlung tätig. Seit 2017 studiert sie Design Research am HKB / MA Design.

Tania Prill

seit 2001 Partnerin des Studios «Prill Vieceli Cremers», ehemals «Prill&Vieceli» und realisierte Aufträge im Kulturbereich sowie selbst initiierte Buchprojekte wie «MONEY» (2015) und «Under the Radar - Underground Zines and Self-Publications 1965-1975» (2017). 2018 gründete sie ihr eigenes Studio und arbeitet mit verschiedenen Künstler_innen, Designer_innen und Netzwerken zusammen. Tania Prill unterrichtet an Universitäten im In- und Ausland. Sie war Professorin für Kommunikationsdesign an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und seit 2010 Professorin für Typografie an der Hochschule der Künste Bremen, wo sie für das Archiv der freien Publikationen verantwortlich ist.

Rejane Salzmann

studiert an der School of Visual Combinations, MA Studio Integriertes Design HfK Bremen

Asli Serbest

entwickelt Projekte in verschiedenen Medien, um das sich entwickelnde Verhältnis zwischen Kunst, Architektur und Mediengesellschaft zu verhandeln. Sie gründete das Kollektiv m-a-u-s-e-r (zusammen mit Mona Mahall), das international ausstellt und veröffentlicht. Sie ist Herausgeberin von Junk Jet (seit 2007), einem unabhängigen Magazin für Kunst, Architektur und Medien. Asli Serbest arbeitet als Professorin an der HfK Bremen.

Studio Harris Blondman

ist das preisgekrönte Grafikdesignstudio von Harry Bloch und Joris Landman. Das schweizerisch-niederländische Studio verbindet klassisches Redaktions- und Designwissen mit New-Media-Expertise und kreativem Coding und arbeitet an der Spitze der grafischen Tradition und des digitalen Experiments. www.harrisblondman.nl

Andreas Vogel

ist Kunsthistoriker mit Promotion zum spätabsolutistischen Städtebau, Kurator, Kritiker, Text- und Kulturarbeiter. Tätigkeiten an verschiedenen Museen, darunter 1999/2000 als Kurator des Kunstvereins in Konstanz. Von 2001–2015 arbeitete er in verschiedenen Leitungsfunktionen an der F+F Schule für Kunst und Mediendesign in Zürich, ab 2011 als deren Rektor. Seit 2015 engagiert er sich in der Funktion des Fachbereichsleiters Gestaltung und Kunst an der HKB Hochschule der Künste Bern. Andreas Vogel war von 2006 bis 2014 Mitglied der Kunstkommission der Stadt Zürich, von 2013 bis 2018 Jurymitglied der Guggenheimstiftung und gehört seit 2016 dem Stiftungsrat der Berner Designstiftung an.

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